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Deutschland als Pionier einer nachhaltigen Bioökonomie: BioÖkonomieRat priorisiert Forschungsthemen
Der bei acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
angesiedelte BioÖkonomieRat hat am 14. Juni 2011 in Brüssel erstmals
die Priorisierung seiner in einem Ausgangsgutachten erarbeiteten
Forschungsfelder vorgelegt. Mit der Schwerpunktsetzung können nach
Einschätzung des Rats die Ziele der "Nationalen Forschungsstrategie
Bioökonomie 2030" der Bundesregierung verwirklicht werden. Vordringlich
ist es demnach, neue Nutzpflanzen und Nutztiere zu züchten, zweitens
effizientere Anbautechnologien zu entwickeln und die Ernteverluste zu
reduzieren, drittens Innovationen in der Biomasse-basierten
Energieproduktion, -umwandlung und -speicherung zu erzielen sowie
viertens die Ressource Boden nachhaltiger zu nutzen.
Staatssekretär
Dr. Georg Schütte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
erläuterte die Nationale Forschungsstrategie; die Europäische Kommission
rief zur Bildung eines starken politischen Rahmens auf EU-Ebene auf, um
Innovation, Wachstum und Beschäftigung durch die Entwicklung der
biobasierten Wirtschaft in Europa zu fördern.
Ohne eine
ausreichende Produktion und effektive Nutzung von Biomasse ist eine
nachhaltige Bioökonomie nicht denkbar. Denn ohne stimmiges Gesamtkonzept
wird Biomasse zu einer begrenzten Ressource, da sie schon heute nicht
nur zur Energieerzeugung als Substitut für erdölbasierte Produkte sowie
als Futter- und Nahrungsmittel Verwendung findet.
Nach den Worten
von Staatssekretär Georg Schütte ist Deutschland eines der ersten
Länder, das überhaupt über eine Forschungsstrategie zur Bioökonomie
verfügt. Bei der Vorstellung der Ergebnisse des BioÖkonomieRats in der
nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Brüssel sagte er: "Die
Bundesregierung sieht nicht nur die immense wirtschaftliche Bedeutung
der Bioökonomie. Sie sieht auch die Verantwortung der Industriestaaten,
eine nachhaltige Bioökonomie aufzubauen, die globale Interessenkonflikte
um die Ressource Biomasse abbaut und die Industrieinteressen mit der
Sicherung der Welternährung in Einklang bringt. Dazu brauchen wir eine
exzellent aufgestellte Forschung - die wir mit den nötigen Mitteln
unterstützen werden." Die Bundesregierung habe auf Empfehlung des
BioÖkonomieRats im November 2010 die "Nationale Forschungsstrategie
Bioökonomie 2030" aufgelegt und dafür 2,4 Milliarden Euro
Forschungsgelder bereitgestellt.
Die Europäische Kommission
erklärte, dass die Bemühungen Deutschlands bei der Weiterentwicklung der
biobasierten Wirtschaft bemerkenswert seien, und betonte gleichzeitig,
dass die in Kürze erscheinende EU-Strategie für die biobasierte
Wirtschaft in Europa danach strebe, einen kohärenten Regierungsrahmen
gemeinsam mit den Mitgliedstaaten einzurichten, für welches nationale
Erfahrungswerte als Vorbilder dienen. Die vorbereitete Strategie, die
Innovationen in der biobasierten Wirtschaft steigern möchte, um
Nachhaltigkeit zu unterstützen, beabsichtige mit ihren Aktivitäten
folgende fünf Hauptziele zu fördern: nachhaltige Primärprodukte und
Nahrungssicherheit, die Schaffung von wettbewerbsfähigen biobasierten
Industriezweigen, die Bereitstellung von sicheren, bezahlbaren und
gesunden Nahrungsmitteln; die Pflege einer starken Wissensbasis sowie
der notwendigen Ausbildung und Kompetenzen und die Schaffung eines
Regierungsrahmens für die biobasierte Wirtschaft.
Reinhard Hüttl,
Vorsitzender des BioÖkonomieRats und Präsident von acatech, machte auf
eine Parallele aufmerksam: "Ähnlich wie bei den Erneuerbaren Energien
kann und sollte Deutschland in der Bioökonomie eine Vorreiterrolle
einnehmen. Das deutsche Modell für das Zusammenspiel von
wissenschaftlicher Politikberatung und Regierung in der Bioökonomie
könnte auch auf europäischer Ebene richtungweisend sein. Gern stellt die
Akademie ihre Erfahrungen und Arbeitsergebnisse für die Ausgestaltung
eines europäischen Bioökonomiedialogs zur Verfügung." Zur Priorisierung
der deutschen Strategie sagte er: "Wir können nun die wichtigen
Forschungsthemen in der richtigen Abfolge angehen. Die Faktenbasis liegt
vor, wir sollten schnell handeln."
35 wichtige Forschungsthemen
hatte der Rat in seinem ersten Gutachten identifiziert. Für die
Priorierung haben die Experten des Rats diese Themen in ihrer
wirtschaftlichen Relevanz, zeitlichen Abfolge, Priorität und in ihrem
finanziellen Aufwand bewertet. Vier Themen stehen dabei im Vordergrund: -
Die Züchtung von Nutzpflanzen und -tieren, die weniger
krankheitsanfällig sind, höhere Erträge ermöglichen oder aber den
Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln reduzieren. - Die
Verringerung von Nachernte-Verlusten. Der BioÖkonomierat empfiehlt
deshalb, innovative Technologien und verbesserte Verfahren vordringlich
zu erforschen. Sie können die Erträge der Biomasseproduktion stark
verbessern. - Die Innovationen in
der Biomasse-basierten Energieproduktion, -umwandlung und –speicherung,
wobei
die verminderte Konkurrenz mit der Produktion von Nahrungs- und
Futtermitteln
eine Priorität ist. - Der Boden als Träger von Biomasseproduktion ist
bereits in erheblichem Ausmaß von Degradation bedroht. Noch weitgehend
unbekannt sind beispielsweise die Auswirkungen des ökologischen Landbaus
auf die Bodenfruchtbarkeit.
Der Rat weist darauf hin, dass
Grundlagenforschung - etwa zur künstlichen Photosynthese oder zur
Synthetischen Biologie - und Querschnittsthemen in einer langfristig
angelegten Forschungsstrategie nicht vernachlässigt werden dürfen.
Ziel
der Nationalen Forschungsstrategie der Bundesregierung und des
BioÖkonomieRats ist es, die nachhaltige Produktion von Biomasse zu
steigern und für die unterschiedlichen Verwendungszwecke qualitativ zu
verbessern sowie die dazu notwendigen natürlichen Ressourcen effizient
zu nutzen. Die Bioökonomie umfasst alle industriellen und
wirtschaftlichen Sektoren und Dienstleistungen, die biologische
Ressourcen (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen) produzieren, ver- und
bearbeiten oder in anderer Form nutzen.
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Birke Pietschmann
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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